Mobbing und Stress machen deutsche Schüler krank
Dresden (dpa) - Immer mehr deutsche Schüler leiden unter Stress und Mobbing - mit fatalen Folgen. Das geht aus einer internationalen Studie der Weltgesundheitsorganisation hervor, für die Schüler im Alter zwischen 11 und 16 befragt wurden.
Nachdem ein Team von Forschern aus Bielefeld, Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg und Dresden unlängst auf einem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft die für Deutschland gültigen Daten der Studie vorlegte, dreht sich die Debatte nun um Ursachen und Konsequenzen. «Das Problem beginnt oft, wenn Betroffene in pubertätsbedingte Krisen geraten. Wer dann alleingelassen wird, kann gesundheitliche Beeinträchtigungen erleiden», sagte der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Melzer von der Technischen Universität (TU) Dresden. Gerade bei Mädchen könne das zu psychosomatischen Störungen führen, bei Jungen dagegen mehr zu aggressivem Verhalten.
In der 2006 durchgeführten Studie hatten rund ein Fünftel der befragten Schüler angegeben, unter Beschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen zu leiden. Bei einer gleichlautenden Untersuchung 2002 lagen diese Werte noch unter 20 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung gab es bei Mobbing-Opfern. Mehr als ein Drittel der Befragten musste hier bereits negative Erfahrungen sammeln. Etwa fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler offenbarten, mehrmals pro Woche schikaniert zu werden. Die Zahl der Schüler mit «Täter-Erfahrung» nahm geringfügig ab.
«Gewalt und Mobbing sind Bestandteil des schulischen Alltags, sie behindern ihn und verursachen eine Reihe von Folgeproblemen bei allen Akteuren, vor allem aber bei den Opfern», lautet ein Fazit der Experten. Für die Mobbing-Täter wurden etwa Anti-Aggressionsprogramme empfohlen. Opfer müssten mehr Aufmerksamkeit erhalten. Hilfreich könne es auch sein, wenn Schüler gemeinsam einen Verhaltenskodex aufstellen. Nach Ansicht des Pädagogik-Professors Melzer sollten Lehrer durch Training ihre «diagnostischen Fähigkeiten» schärfen, um Problemfälle rechtzeitig zu erkennen und handeln zu können.
«Eine Überraschung war zweifellos, dass die Schulkultur besser bewertet wurde als noch 2002», betonte Melzer. Dabei ging es um Faktoren wie Mitgestaltung, Unterrichtsqualität oder Hilfe durch den Lehrer. «Wenn trotz leichter Verbesserungen in diesem Bereich die psychosomatischen Störungen gestiegen sind, müssen sich Risikofaktoren in anderen Bereichen erhöht haben», schlussfolgerte der Professor. Als Beispiel nannte er familiäre Probleme, Medienkonsum und Jugendkultur. Das sei nicht immer eine Frage der Zugehörigkeit zu sozialen Schichten, obwohl das grundsätzlich einen Risikofaktor für Krankheit darstelle. «Nachhilfe ist für viele bezahlbar. Ein gutes Familienklima lässt sich aber nicht erkaufen.»
Melzer warnte davor, Schüler zu sehr auf Leistungen zu fixieren. Wichtige Kompetenzen wie ein positives Sozialverhalten fielen so unter den Tisch. «Es ist eine Daueraufgabe, die Qualität der Schule zu verbessern.» Dabei habe Güte nichts mit dem Schultyp zu tun. «Es gibt die sehr gute Mittelschule und das schlechte Gymnasium. Gesundheit und Stress lassen sich daran nicht festmachen. Die Frage ist nur, ob der Schüler in schwierigen Situationen auf Hilfe rechnen kann.» Auch Mitschüler sieht er dabei in der Pflicht. Methoden wie die zu DDR-Zeiten üblichen Lernpatenschaften zwischen Schülern seien pädagogisch durchaus sinnvoll.
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- Ernstfall Kindermobbing. Das können Eltern und Schule tun
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