Rückenschmerzen: Fünf Fragen und Antworten
80 Prozent aller Menschen in Deutschland hatten schon mit Rückenbeschwerden zu kämpfen, etwa jeder zehnte Krankheitstag geht auf diese Diagnose zurück.
Die Zahl der Menschen, die in Niedersachsen wegen Schmerzen stationär behandelt werden, wuchs in den letzten Jahren um mehr als 20 Prozent. Spitzenreiter sind mit rund 11.440 Fällen Rückenschmerzen. Dass der Rückenschmerz für viele Menschen ein Thema ist, zeigte auch der große Andrang bei der gestrigen Telefonsprechstunde der Techniker Krankenkasse (TK) mit Professor Dr. Dietrich Grönemeyer.
Die folgenden fünf Fragen beantwortete der Rückenexperte und Erfolgsautor ("Mein Rückenbuch") Professor Grönemeyer unter anderem:
Frage (m, 34 Jahre): Ich sitze den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch. Abends habe ich dann oft Nacken- oder Kreuzschmerzen – was kann ich dagegen tun?
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: Eigentlich ist es ganz einfach, am Arbeitsplatz etwas für seinen Rücken zu tun. Das Wichtigste: Belasten Sie Ihre Wirbelsäule nicht zu einseitig – sitzen Sie dynamisch! Lehnen Sie sich beispielsweise einmal weit zurück oder stützen Sie sich auf die Ellenbogen. Außerdem sollten Sie zwischendurch jede Gelegenheit nutzen, kurz aufzustehen, ein paar Meter zu gehen und sich zu strecken. Statt eine E-Mail zu schreiben, können Sie vielleicht einfach zu dem Kollegen ins Nachbarbüro laufen oder Telefonate im Stehen erledigen. Um den Rücken bestmöglich zu entlasten, sollten außerdem Bürostuhl, Schreibtisch und Computer individuell für Sie eingestellt sein. Zum Beispiel sollten Ihre Beine im Sitzen einen rechten Winkel bilden, genau wie Ihre Arme, wenn Sie locker auf dem Schreibtisch liegen.
Frage (w, 39 Jahre): Hin und wieder habe ich Schmerzen im unteren Rückenbereich. Was kann ich dagegen tun?
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: Bewegen, bewegen und noch mal bewegen! Steigen Sie eine Station früher aus dem Bus und gehen Sie das letzte Stück ins Büro zu Fuß. Nehmen Sie öfter mal die Treppen anstatt Fahrstuhl zu fahren. Und häufiger tanzen gehen – das ist die beste Möglichkeit, die kleinen Gelenke und Bandscheiben zu lockern und gleichzeitig die Muskulatur zu trainieren. Ansonsten kann es im akuten Fall helfen, den Rücken unter der heißen Dusche ein bisschen zu dehnen.
Frage (m, 40 Jahre): Mein Arzt hat mir gesagt, ich soll meine Rückenmuskulatur aufbauen. Welche Sportarten sind denn dafür am besten?
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: Am gezieltesten und ausgewogensten können Sie Ihre Rückenmuskulatur mit einem speziellen Trainingsprogramm stärken. Wie das richtig geht, lernen Sie in Kursen oder in guten Fitness-Studios. Im Anschluss können Sie das Training dann zu Hause oder an den Geräten im Studio allein fortführen. Wichtig ist nur, tatsächlich langfristig am Ball zu bleiben. Alternativ oder ergänzend ist aber auch fast jede Sportart geeignet – Hauptsache, Sie haben Spaß daran! Das ist nämlich die wichtigste Voraussetzung, um wirklich bei der Stange zu bleiben. Von einer strengen Unterteilung in rückenschonende und rückenschädigende Sportarten halte ich nichts: Es hat sich gezeigt, dass es weniger darauf ankommt, was man tut, sondern vor allem wie. Mit der richtigen Technik, einem begleitenden Muskeltraining und angepasstem Tempo ist fast jede Sportart geeignet, den Körper zu aktivieren, die Muskeln zu kräftigen und den Rücken zu stärken.
Bei chronischen Krankheiten oder Schädigungen stimmen Sie sich bitte vorab auch mit dem Arzt Ihres Vertrauens ab.
Frage (w, 48 Jahre): Ich habe hin und wieder einen Hexenschuss. Was kann ich im Fall der Fälle gegen die Schmerzen tun?
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: Ein Hexenschuss ist keine Krankheit – dem plötzlichen Schmerz, der in die Lendenwirbelsäule fährt, können unterschiedliche Störungen zu Grunde liegen. Welche, lässt sich oft nicht eindeutig bestimmen. Die Folge ist in jedem Fall, dass die Muskeln des unteren Rückens schmerzhaft verspannen und die Beweglichkeit stark eingeschränkt ist. Lassen Sie sich jetzt aber nicht von dem Schmerz zur Unbeweglichkeit zwingen! Denn Angst und zu viel Schonung können die Verspannung verstärken. Faustregel: Gönnen Sie sich Ruhe, wenn Sie es nötig haben, aber bleiben Sie in Bewegung, so gut es geht. Wichtig ist, den akuten Schmerz zu lindern, die Muskeln zu entspannen und zu lockern. Am besten gelingt dies mit Wärme, einfachen Schmerzmitteln, Entspannungs- und Lockerungsübungen. Bei sehr starken Schmerzen, Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühl sollten Sie jedoch auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, um die Ursache des Hexenschusses abzuklären.
Frage (w, 56 Jahre): Ich leide oft unter starken Rückenschmerzen. Heißt das, dass meine Wirbelsäule kaputt ist?
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: Menschen mit Rückenbeschwerden haben nicht automatisch gleich einen Wirbelsäulenschaden. Und umgekehrt rufen im Röntgenbild erkennbare Verschleißerscheinungen nicht unbedingt Schmerzen hervor. Meist lösen Verspannungen in der Rückenmuskulatur die Schmerzen aus. Studien zeigen, dass Rückenschmerzen in etwa 85 Prozent der Fälle harmlos sind und von selber wieder abklingen – meist innerhalb von zwei Wochen. Das heißt allerdings nicht, dass eine Behandlung immer überflüssig ist: Wenn Rückenbeschwerden hartnäckig wiederkehren, müssen die Schmerzen behandelt werden, damit sie nicht chronisch werden.
Mehr Informationen rund um das Thema Rückenbeschwerden gibt
es im Internet unter www.gesundheitfuerdeutschland.de und
www.tk-online.de. Quelle: Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse
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